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Novihum news

Eigenkapital für grüne Geschäftsvorhaben

23 November 2019

Immer mehr Start-ups treten mit ökologisch und sozial nachhaltigen Ideen an - Paradigmenwechsel hin zur nachhaltigeren Wirtschaft in NRW steht nichts im Weg

Sie verwandeln Gras bei geringstem Energie- und Wasserverbrauch in Papier und Kartons, machen die Planung und Bestellung von individuellen Solar-Kleinanlagen über das Internet zum Kinderspiel oder stellen Brillengestelle aus nachwachsenden Rohstoffen wie Holz her – grüne Geschäftsideen haben bei Gründern Konjunktur.

Das zeigt der Deutsche Start-up-Monitor, für den der Bundesverband Deutsche Start-ups und das Beratungsunternehmen PricewaterhouseCoopers (PwC) jüngst knapp 2 000 Gründer und Manager aus der Start-up-Szene befragten. Mehr als jedes dritte der angesprochenen Start-up-Unternehmen ordnete die von ihm angebotenen Produkte oder Dienstleistungen der Green Economy zu. Damit hat der Anteil von Start-ups, die von sich selbst sagen, einen Beitrag zu Umwelt-, Ressourcen- oder Klimaschutz zu leisten, innerhalb von nur einem Jahr um fast vier Prozentpunkte zugenommen.

Die Studie verdeutlicht auch: Den innovativen Jungunternehmen mit nachhaltigen Geschäftsideen fehlt es oft an Mitteln für Gründungs- und Wachstumsinvestitionen. In Nordrhein-Westfalen (NRW) unterstützt die NRW.Bank sie deshalb mit Förderdarlehen zu attraktiven Konditionen und hilft auch, wenn ein Kredit nicht ausreicht oder nicht gewährt werden kann. So finanziert die Förderbank für Nordrhein-Westfalen innovative Start-ups in der Entwicklungs- oder frühen Startphase und junge Unternehmen beim Wachstum über ihre eigene Seed-Fonds-Initiative und den NRW.Bank.Venture Fonds. Sie tritt auch als Ankerinvestor in privaten Venture-Capital-Fonds auf. Zudem sorgt die NRW.Bank mit dem Förderprogramm “NRW.SeedCap” dafür, dass Frühphasenbeteiligungen von Business Angels gedoppelt werden können.

Es gibt bereits erste Venture-Capital-Fonds im Markt, die ausdrücklich und einzig und allein Unternehmen aus der nachhaltigen Wirtschaft mit Venture Capital versorgen. Die NRW.Bank verfügt aber schon heute über ein breit gefächertes Förderangebot, um innovativen Vorreitern der neuen umweltbewussten und sozial engagierten Gründergeneration finanziell den Rücken zu stärken.

Attraktiv für Start-ups

Das Engagement der landeseigenen Förderbank für Start-ups, die sich der nachhaltigen Wirtschaft verschrieben haben, hat gute Gründe: Gerade Nordrhein-Westfalen steht als Europas industrielles Kernland Nummer eins vor großen ökologischen, wirtschaftlichen und sozialen Herausforderungen. Das Credo der Bank lautet: Klimaschutz, Energiewende und demografischer Wandel lassen sich nur meistern, wenn sich auch Unternehmen verstärkt in die Nachhaltigkeitsdebatte einbringen und mit ihrer Innovationskraft Lösungen entwickeln.

Die Förderbank weiß aber auch: Damit Unternehmen in Nordrhein-Westfalen neue nachhaltige Produkte und Dienstleistungen auf den Markt bringen, ihren Geschäftsbetrieb klimaneutral gestalten und grüne und sozial nachhaltige Geschäftsmodelle erfolgreich umsetzen können, müssen dafür auch die Rahmenbedingungen am regionalen Wirtschaftsstandort sowie die dafür notwendige finanzielle Basis stimmen.

Böden fruchtbarer

Ein Beispiel für eine erfolgreiche Gründung ist das Unternehmen Novihum. Das innovative Start-up wurde von der NRW.Bank dabei unterstützt, sein nachhaltiges Produktionsverfahren zu etablieren. Novihum Technologies stellt ein Dauerhumusgranulat her, das das Erdreich fruchtbarer und ertragreicher macht. Wird das Novihum genannte Granulat in die Böden eingebracht, können landwirtschaftlich ausgelaugte Äcker ebenso wie Wüsten fruchtbar werden. Dresdner Forscher hatten ein Verfahren entwickelt, mit dem innerhalb von wenigen Stunden aus Braunkohle die Novihum genannte Substanz entsteht. Gegründet wurde das Unternehmen im Jahr 2012 mit Wagniskapital.

Den geeigneten Produktionsstandort fand das Start-up im Dortmunder Norden auf dem Gelände der Deutschen Gasrußwerke. Denn die räumliche Nähe zum Rohstoff – die Braunkohle – ist essenziell für eine wirtschaftliche Produktion. 2015 stieg die NRW.Bank mit einer Beteiligung durch den Venture Fonds ein. Die hohe technologische Reife und das weltweit große Marktpotenzial gaben den Ausschlag.

Pro Jahr produzieren die 30 Mitarbeiter nun 1 000 Tonnen Humusgranulat. Die Hauptabnehmer sind Obst- und Gemüsebauern aus den USA, Spanien und Deutschland. Weil die Nachfrage die bisherigen Produktionskapazitäten um ein Vielfaches übersteigt, wird derzeit die vorhandene Anlage in Dortmund erweitert. Bis im kommenden Jahr will das Start-up seine Kapazitäten zunächst verzehnfachen. Novihum Technologies lotet zudem neue Produktionsstätten an anderen Standorten aus.

Chancen mit Venture Capital

Das Beispiel Novihum veranschaulicht, welche Chancen mit Venture-Capital-Investitionen gerade in grüne Geschäftsideen verbunden sein können. International ist die Nachfrage nach nachhaltigen Produkten gestiegen. Wissenschaftler des Centers of Advanced Sustainable Management in Köln beobachten, dass die Wirtschaft weltweit in breitem Stil vor einem Paradigmenwechsel steht, hin zu einer Unternehmenswelt, die soziale und ökologische Aspekte stärker in ihre Geschäftsmodelle und Lieferketten integriert.

Dieselben Forscher rechnen damit, dass sich “Nachhaltige Produkte – made in Germany” zu einem weltweit anerkannten Markenzeichen entwickeln könnte. Eine Perspektive, die auch für Nordrhein-Westfalen große Chancen in sich birgt – vorausgesetzt, es steht genügend Venture Capital bereit, das innovativen Unternehmen Anreiz bietet, sich an Rhein und Ruhr anzusiedeln. Die NRW.Bank stellt zurzeit jeden fünften Euro an Venture-Capital-Investitionen in Nordrhein-Westfalen.

Wer ein nachhaltiges Start-up gründet, benötigt jedoch nicht nur Kapital, sondern auch Beratung. Diese leisten gleich mehrere Einheiten in der Bank. Das NRW.Bank.Venture Center beispielsweise geht konkret auf potenzielle Hightech-Gründer in Hochschulen und Forschungsinstituten zu und berät diese rund um das Thema Ausgründung.

Die win Business Angels Initiative der NRW.Bank vermittelt privates Eigenkapital und fördert Start-ups mit herausragenden Konzepten, die sich in der Entwicklungs- oder frühen Startphase befinden. Die Förderberater unterstützen Unternehmen aber auch bei längerfristigem Beratungsbedarf.

Die vielen Fördermöglichkeiten zeigen, dass in Nordrhein-Westfalen die Weichen für eine grüne Start-up-Szene gestellt sind. Die NRW.Bank kann für jede gute Geschäftsidee die passende Finanzierung anbieten. Dem Paradigmenwechsel hin zu einer nachhaltigeren NRW-Wirtschaft steht nichts im Weg.

Quelle: Börsen-Zeitung, 23.11.2019, Autor Michael Stölting, Vorstandsmitglied der NRW.Bank, Nummer 226, Seite 5

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